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Der Riesenholzdruck von Jacopo de Barbari

Mitte Januar 2012 bekam ich von Restauratoren der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg (GNM) den Auftrag, sie bei der Restaurierung eines Holzdrucks des italienischen Künstlers Jacopo de Barbari aus dem Jahr 1500 zu unterstützen. 

Die Grafik, eine Auftragsarbeit für den Dogen von Venedig, zeigt die Lagunenstadt aus der Vogelperspektive. Die Darstellung ist bis ins feinste Detail ausgearbeitet, so dass man jedes Gebäude, jeden kleinen Kanal - sofern diese noch heute in Venedig existieren - mühelos wiedererkennen kann. Gefertigt wurde der Holzdruck in der venezianischen Werkstatt des Nürnberger Druckers Anton Kolb.

Die Grafik ist eines der spektakulärsten Beispiele der Renaissance-Druckkunst: Der außergewöhnlich große Holzdruck besteht aus 6  Einzeltafeln von je ca. 68 x 92 cm, die zusammengesetzt eine Gesamtdruckfläche von ca. 135 x 282 cm ergeben.  Das Meisterwerk, von dem weltweit nur noch 11 Exemplare erhalten sind, wurde auf Grund seiner unglaublichen handwerklichen Präzision lange Zeit Dürer zugeschrieben. Inzwischen geht man davon aus, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Arbeit von Jacopo de Barbari handelt, der Dürer persönlich kannte.

Das GNM besitzt einen der Original-Drucke aus der ersten Edition von 1500. Diesen haben die Restauratoren im Lauf der letzten beiden Jahre sehr aufwändig restauriert. Allerdings fehlen der Grafik vor allem im Randbereich einige größere Teile vollständig.

Die rot markierten Stellen fehlen in dem Holzdruck komplett

Idee der Restauratoren war es, diese fehlenden Partien mit Siebdruck zu ergänzen. Da das GNM zusätzlich zur Originalgrafik einen kompletten Faksimile-Drucks in guter Qualität besitzt, konnten mit Hilfe von Scans hervorragende Filmvorlagen für den Siebdruck hergestellt werden. In meinem Atelier fertigte ich Probeandrucke auf diverse Papiere, Folien und auch auf Plexiglasplatte. Die überzeugendsten Druckergebnisse erzielte ich auf einem japanischen Papier und auf der Plexiglasplatte.  

Eine mögliche Lösung besteht darin, fertig gedruckte Papiere wie Intarsien an die fehlenden Stellen in der Originalgrafik zu montieren. Die Restauratoren entschieden sich für die Alternative, die fehlenden Teile spiegelverkehrt auf die Rückseite einer Plexiglasplatte zu drucken, die die Grafik vollständig abdeckt. Das Original bleibt dabei unverändert.

Die Herausforderung bestand darin, in fünf Einzeldruckgängen die fehlenden Teile exakt an ihre vorgesehene Position auf die Rückseite der Plexiglasplatte zu drucken.

Um den bestmöglichen Vergleich mit der Originalgrafik zu haben, druckte ich direkt vor Ort mit mobilem Gerät in den Räumen der Graphischen Sammlung. Alle Vorbereitungen wie Siebbelichtungen, Korrekturen, Folienandrucke entstanden in meiner Werkstatt.